Meldung
11.12.2019

Deutsch-Britischer Expertenworkshop im Forum Digitale Technologien zu künstlicher Intelligenz in minimalinvasiver Chirurgie und Behandlung

Assistive Robotik in modernen Operationssälen, Präzisionsmedizin für die Chirurgie, Einsatz von maschinellem Lernen und Augmented Reality in der Tumorerkennung: Insbesondere im Gesundheitswesen ergeben sich viele spannende Einsatzfelder für Big Data und Künstliche Intelligenz (KI).

Die Expertinnen und Experten des Workshops posieren für ein Gruppenbild.
© Forum Digitale Technologien / DFKI
Die Expertinnen und Experten des Workshops posieren für ein Gruppenbild.

Aus diesem Grund hat das Science and Innovation Network an der Britischen Botschaft Berlin gemeinsam mit dem Forum Digitale Technologien einen Expertenworkshop veranstaltet. Am 3. Dezember 2019 kamen so Teilnehmende aus sechs Universitäten und sieben Forschungsinstituten aus dem Vereinigten Königreich (UK) und Deutschland im Showroom des Forum Digitale Technologien für einen ganztägigen Workshop zusammen, der von Dr. Anne Schwerk vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) moderiert wurde. Sehr bereichert wurde das Expertenforum durch die Anreise von Forschenden der Universitäten Leeds, Cardiff, Edinburgh und Oxford sowie zwei Fellows des Alan Turing Instituts.

Zu Beginn stellte Nick Schneider vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die KI-Strategie der Bundesregierung und relevante Initiativen im Gesundheitsbereich vor. Der Fokus des Ministeriums läge „auf der letzten Meile“ und fördere insbesondere den praktischen Einsatz von patientenzentrierten KI-Lösungen in der Gesundheitsversorgung. Denn gerade der Transfer von Forschungsergebnissen in die Regelversorgung würde noch zu oft auf der Strecke bleiben. Im Anschluss stellten die beiden Forscher Jean-Claude Rosenthal und Eric Wisotzky vom Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut ihre Projekte zu erweiterter Realität im Operationssaal vor. So soll diese in Zukunft als Assistenz und Präzisionswerkzeug dienlich sein, zum Beispiel bei der eindeutigen Identifizierung von Gewebeeigenschaften. Die Forschungen von Dr. Ramamoorthy von der Universität von Edinburgh behandeln intelligente und teilweise autonome Roboter im Operationssaal. Seine Vision ist eine Demokratisierung im Operationssaal, indem auch Krankenhäuser außerhalb von großen Ballungszentren durch die Nutzung von Robotern spezialisierte Eingriffe anbieten könnten.

Der dritte Teil des Workshops drehte sich um datengetriebene Medizin und die damit verbundenen Herausforderungen. Nisha Shah von der Oxford Universität illustrierte anhand von unterschiedlichen britschen Forschungsprojekten den patientenzentrierten Ansatz in der britischen Gesundheitsforschung. Diogo Telmo Neves vom DFKI widersprach der landläufigen Meinung, dass für maschinelles Lernen vor allem die Quantität der Daten entscheidend wäre, denn nur mit hoher Datenqualität sei gute Forschung möglich. Im selben Kontext von „mehr ist nicht immer besser“ präsentierte Dr. Stefan Konigorski vom Hasso-Plattner-Institut in Potsdam Einblicke in neue Möglichkeiten, klinische Studien auf Basis von einzelnen sogenannten N-of-1 Präzisionsstudien durchzuführen, woraus sich personalisierte Medizinangebote abgeleiten lassen. Die Relevanz der Präzisionsstudien wurde auch in der anschließenden Diskussion deutlich, da viele Visionen von dem Einsatz von KI noch nicht evidenzbasiert sind und die Präzisionsstudien wichtige Fortschritte bei der Schaffung von Evidenz möglich machen könnten.

Am Nachmittag des Expertenforums diskutierten Teilnehmende Herausforderungen, Potentiale und Lösungen für die Zukunft von KI in der Chirurgie. Es wurde deutlich, dass es zwar sehr spannende Forschungen in dem Bereich gibt, viele Projekte jedoch noch weit von einem alltäglichen Einsatz entfernt sind. Während ihres intensiven Austauschs brachten die teilnehmenden Expertinnen und Experten beider Länder zum Ausdruck, dass Medizinroboter den Chirurginnen und Chirurgen als Unterstützung zur Seite stehen sollten; vollautonome Roboter jedoch kritisch gesehen werden. Übereinstimmend wurde festgestellt, dass auf der nationalen Ebene besonders im Bereich der datengetriebenen Gesundheitsforschung der Austausch zwischen Expertinnen und Experten aus der Forschung und den Kliniken auf nationaler Ebene vorangetrieben werden sollte. Auf internationaler Ebene sei insbesondere die Kooperation zwischen den verschiedenen Kompetenzzentren entscheidend. In konstruktiven Gesprächen während des Expertenforums bekundeten die Forschenden beider Länder ihr großes Interesse, das Gebiet gemeinsam voranzutreiben. Für die Stärkung von Austausch und Kooperationen war der Workshop ein guter Anfang, auf den die Britische Botschaft und das Forum Digitale Technologien mit zukünftigen Veranstaltungen aufbauen werden.

  • Dr. Olaf Kranz, Head of Science & Innovation Germany, Switzerland and Austria, begrüßt die Gäste.Dr. Olaf Kranz, Head of Science & Innovation Germany, Switzerland and Austria, begrüßt die Gäste.
    © Forum Digitale Technologien / DFKI
  • Die Experten Dr. Subramanian Ramamoorthy, Jean-Claude Rosenthal und Eric Wisotzky diskutieren über die Rolle von KI in der Digitalmedizin.Die Experten Dr. Subramanian Ramamoorthy, Jean-Claude Rosenthal und Eric Wisotzky diskutieren über die Rolle von KI in der Digitalmedizin.
    © Forum Digitale Technologien / DFKI
  • Die Expertinnen und Experten des Workshops posieren für ein Gruppenbild.
    © Forum Digitale Technologien / DFKI
Dr. Olaf Kranz, Head of Science & Innovation Germany, Switzerland and Austria, begrüßt die Gäste.Die Experten Dr. Subramanian Ramamoorthy, Jean-Claude Rosenthal und Eric Wisotzky diskutieren über die Rolle von KI in der Digitalmedizin.Die Expertinnen und Experten des Workshops posieren für ein Gruppenbild.

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