Präzise CO₂-Bilanzierung für die metallverarbeitende Industrie

Demonstrator des Projekts de:karb aus dem Technologieprogramm GreenTech Innovationswettbewerb

de:karb
© de:karb

Beschreibung des Demonstrators

Das de:karb-Konsortium demonstriert einen wegweisenden Ansatz für die metall- und blechverarbeitende Industrie: Unternehmen jeder Größenordnung können ihren Product Carbon Footprint (PCF) präzise über die gesamte Prozesskette hinweg erfassen und optimieren. Dies gilt sowohl für Unternehmen mit standardisierten Produkten (Product-Shopper) als auch für Auftragsfertiger (Job-Shopper).

Die Genauigkeit der PCF-Berechnung verbessert sich auf Basis des Digitalisierungsgrades der Firmen und kontinuierlich durch die Integration von Echtzeit-Maschinendaten. Durch die Einbindung hochgranularer Strommarktprognosen ermöglicht de:karb zudem eine CO₂e-optimierte Produktionsplanung und Auftragssteuerung.

Die Lösung berücksichtigt auch relevante Daten des Company Carbon Footprints (CCF) und schafft damit einen ganzheitlichen Überblick. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) werden dadurch wertvolle Einsparpotenziale bei CO₂-Emissionen und Energiekosten sichtbar – ein wichtiger Beitrag zur Stärkung und Zukunftsfähigkeit des deutschen Mittelstands.

Business Case aus Anwendersicht

Die CO₂-Rechnungsführung bzw. das Carbon Accounting bezieht sich auf das systematische Erfassen, die monetäre und nicht-monetäre Bewertung sowie das Monitoring der direkten und indirekten Emissionen von CO₂ und anderen Treibhausgasen aus Scope 1, 2 und 3. Dies kann auf Produkt- oder Projektebene, auf Unternehmensebene oder auf staatlicher Ebene zur Erstellung einer Treibhausgasbilanz erfolgen. Die Bilanz dient sowohl der Offenlegung im Rahmen des externen Berichtswesens als auch intern als Grundlage für das Emissionsmanagement. Carbon Accounting kann somit als Teildisziplin des Rechnungswesens verstanden werden – zugleich aber auch als Bestandteil eines Umwelt- oder Nachhaltigkeitsmanagements.

Optimierungsmöglichkeiten für Anwender im Bereich Scheduling:
Fertigungsaufträge können bewusst im Tagesverlauf verschoben werden, um Maschinen dann zu betreiben, wenn Strom mit geringerer CO₂-Belastung zur Verfügung steht – und dennoch rechtzeitig zu fertigen.

Optimierungsmöglichkeiten im Bereich Schachtelung:
Die Materialeffizienz kann durch mehr Transparenz entlang der Wertschöpfungskette gesteigert werden. Kundenaufträge lassen sich besser zusammenstellen, Füllteile nutzen und Tafeln vollständig auslasten – bei gleichbleibender Prozesssicherheit trotz verringertem Teileabstand.

Zum Projekt

Die Einführung der CO₂-Rechnungsführung bzw. Carbon Accounting in der Stahlindustrie ist ein zentraler Bestandteil und grundlegender Baustein zur Dekarbonisierung der deutschen Industrie. Das Kooperationsprojekt de:karb unter der Leitung von TRUMPF fokussiert sich auf die ganzheitliche Messung und Reduktion von CO₂-Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der Stahlindustrie und setzt dabei neue Maßstäbe.
Durch mehr Transparenz, Vernetzung, präzise Erfassung, Bewertung und Nachverfolgbarkeit sollen direkte und indirekte Emissionen gezielt reduziert und eindeutig den Endprodukten der Stahlindustrie zugeordnet werden. Ziel ist es, Transparenz über industriespezifische Emissionen aus Scope 1, 2 und 3 zu schaffen, Emissionsreduktionspotenziale abzuleiten und den Energieverbrauch der Industrie flexibel zu gestalten – um den Anteil erneuerbarer Energien im Energiemix deutlich zu erhöhen.

de:karb leistet damit einen Beitrag zur Sicherung des Industriestandorts Deutschland, indem es langfristig rund vier Millionen Arbeitsplätze in der stahlintensiven Branche schützen soll. Gleichzeitig unterstützt das Projekt die Erreichung der deutschen Klimaziele in einem der zentralen Industriesektoren und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Motivation: Beitrag zur Erreichung der deutschen und europäischen Klima- und Umweltschutzziele im Rahmen der Agenda 2030 sowie Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland durch den Einsatz digitaler Technologien zur Minderung klimaschädlicher Emissionen.
Zielsetzung: Messung und Nachweisführung von Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der stahlproduzierenden und -verarbeitenden Industrie.
Realisierungskonzept: Aufbau von Transparenz und Nachverfolgbarkeit sowie Etablierung von Rechnungsführungskonzepten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Ergebnis: Entwicklung offener Standards und relevanter Open-Source-Schnittstellenbeschreibungen, um allen Akteuren in der Wertschöpfungskette maximale Transparenz und Zugänglichkeit zu ermöglichen.

Ansprechpartner

Jonathan Eberle

Jonathan Eberle

TRUMPF
jonathan.eberle@trumpf.com

Vinzenz Krause

Vinzenz Krause

Academy for Exponential Change GmbH
vkrause@academy-aec.com