Meldung
03.11.2025
Vernetzen für die Netze der Zukunft
Grundlagen schaffen für sichere, souveräne und interoperable Datenaustausch-Ökosysteme – das war das Ziel einer Vernetzungsveranstaltung im Rahmen des Technologieprogramms „IKT für Elektromobilität (IKT-EM)“, bei der Expertinnen und Experten für das Thema Daten am 13. Oktober 2025 in Berlin zusammenkamen. In den Sessions zeigten sie auf, wie für die Mobilität der Zukunft sowohl die rechtlichen Rahmenbedingungen und technische Plattformen als auch praktische Anwendungen zusammenwirken müssen.

Vernetzungsveranstaltung der Begleitforschung IKT für Elektromobilität im Fraunhofer ENIQ
© IKT für Elektromobilität
Mobilitätsdaten sind ein Motor der Elektromobilität, doch erst der richtige Rahmen macht sie nutzbar. Die Vernetzungsveranstaltung des Technologieprogramms „IKT für Elektromobilität“ brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Recht und Politik zusammen, um genau diesen Rahmen zu diskutieren: von rechtlichen Grundlagen über technische Infrastrukturen bis hin zu konkreten Praxisprojekten, die zeigen, wie die Umsetzung im Bereich hochautomatisiertes Fahren und in der Energiewirtschaft heute schon funktionieren.
Rechtsicherer Rahmen für Mobilitätsdaten
Den Auftakt machte Rechtsanwalt Christian Alexander Mayer von der Begleitforschung IKT-EM mit einem umfassenden Überblick über den rechtlichen Rahmen für Mobilitätsdaten. Am Beispiel des EU Data Act, der AFIR-Verordnung bis hin zum geplanten Mobilitätsdatengesetzzeigte Mayer auf, welche Vorgaben bereits existieren und welche Anforderungen auf die Branche zukommen. Seine Einschätzung: „Mobilitätsdaten sind der Treibstoff der Zukunft. Doch erst ein intelligenter und rechtssicherer Rahmen – von der nationalen Mobilithek bis zum EU Data Act – wird es uns ermöglichen, dieses enorme Potenzial sicher, fair und interoperabel zu entfalten und die Transformation unserer Verkehrssysteme wirklich voranzutreiben."
Besonders relevant für die Elektromobilität: Die AFIR-Verordnung (Alternative Fuels Infrastructure Regulation) verpflichtet Betreiber öffentlich zugänglicher Ladepunkte, ihre Daten kostenfrei und diskriminierungsfrei bereitzustellen. Bis Ende 2026 soll ein gemeinsamer europäischer Zugangspunkt diese Daten verfügbar machen.
Drei Impulse für die Zukunft
Dr. Judith Puttkammer von Mobility Data Space (MDS), Roland Fadrany von GAIA-X und Dr. Arwed Schmidt vom IKT EM-Projekt SAFESTREAM gaben Impulse für Initiativen, um die Mobilität der Zukunft zu gestalten. Puttkammer stellte vor, wie der MDS mit über 160 Partnern die Herausforderung angeht, den Datenaustausch für Mobilität zu optimieren. Der MDS ermöglicht bereits heute konkrete Anwendungen – von Unfallprognosen auf Basis anonymisierter BMW-Fahrzeugdaten bis hin zu tri-nationalen Ladelösungen. Puttkammers Fazit: „Wir schaffen den operativen Raum, in dem aus geteiltem Wissen echte Innovation für die Mobilität von morgen entsteht."
Roland Fadrany von GAIA-X ergänzte die technische Perspektive um die europäische Dimension: Wie lassen sich Datenökosysteme aufbauen, die europäische Werte und Standards vereinen und gleichzeitig Skalierbarkeit und Resilienz ermöglichen? Seine Antwort: Das GAIA-X Trust Framework definiert die Architektur und Standards für souveränen Datenaustausch. Dr. Arwed Schmidt berichtete schließlich über die Aktivitäten von „Ökosystem Mobilität 4.0“. Die Initiative wurde gegründet, um die digitale Basis für autonomes Fahren im ÖPNV zu schaffen.
Praxis-Projekte zeigen, wie es geht
Dass die Theorie bereits in die Praxis übergeht, demonstrierten Dr. Arwed Schmidt und Mario Nowack mit ihren Projekten SAFESTREAM und ABSOLUT II. Schmidt zeigte, wie bei SAFESTREAM die technische Aufsicht für automatisierte Fahrsysteme funktioniert und welche Herausforderungen beim operativen Betrieb noch zu meistern sind. Nowack stellte das Ökosystem für autonomen On-Demand-ÖPNV vor – mit ABSOLUT, einem i. R. von IKT-EM geförderten Projekt, soll eine Referenzlösung für fahrerlose ÖPNV-Bedarfsverkehre entwickelt und erprobt werden, die zeigt, wie nachhaltiger ÖPNV in Stadtrandgebieten Wirklichkeit werden kann.
Im Bereich Energiewirtschaft gab Dr. Rainer Enzenhöfer einen Impuls zum Datenteilen aus dem Projekt BANULA, das den Wettbewerb bei Ladetarifen an öffentlichen Ladesäulen stärken soll. Prof. Jens Strüker zeigte, wie das Datenteilen für einen dezentralen Redispatch im Projekt DEER umgesetzt werden kann – und welche Rolle digitale Identitäten dabei spielen. Ansätze für ein Datenraumkonzept wiederum stellte Frank Schnellhardt für einen eLadeservice für Wohnquartiere aus dem IKT EM-Projekt SharedAC vor.
Zusammenarbeit als Schlüssel zu datengetriebenen Innovationen
Im letzten Teil der Veranstaltung diskutierten Referentinnen und Referenten in einer Panel-Diskussion über die Erkenntnisse sowie Hürden und Treiber für Innovation. Fokus dabei war insbesondere die Anwendbarkeit der vorgestellten Initiativen für die Praxisprojekte und noch bestehende Hürden. Die zentrale Erkenntnis der Vernetzungsveranstaltung: Verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen, Standardisierung und Zusammenarbeit sind der Schlüssel für die Transformation unserer Verkehrssysteme. Nur wenn rechtliche Rahmenbedingungen, technische Infrastrukturen und praktische Anwendungen für den Datenaustausch Hand in Hand gehen, wird die Elektromobilität ihr volles Potenzial in Zukunft entfalten können.