Meldung
07.10.2025
Autonom und intelligent: Der Demo Day demonstriert die Zukunft der Elektromobilität
Eine kurze Rückschau auf 15 Jahre „IKT für Elektromobilität“, dann ging der Blick nach vorn: Eine Podiumsdiskussion und sechs Projekte mit Demonstratoren gaben beim „Demo Day“ in Berlin Impulse für die Mobilität von morgen – und zeigten Ideen rund um autonomes Fahren, Robotik und smarte Logistik.

© IKT für Elektromobilität
Ob Laderoboter für E-Autos, autonome Fahrzeuge ohne Aufsichtsperson an Bord oder ein eigenständiger Lieferroboter – beim Demo Day Ende September bekamen die rund 100 Gäste einen Vorgeschmack davon, wie die Zukunft der Mobilität aussehen wird. Die Veranstaltung hielt, was der Titel versprach: „𝗔𝘂𝘁𝗼𝗻𝗼𝗺 & 𝗶𝗻𝘁𝗲𝗹𝗹𝗶𝗴𝗲𝗻𝘁 – 𝗜𝗻𝗻𝗼𝘃𝗮𝘁𝗶𝗼𝗻𝗲𝗻 𝗳ü𝗿 𝗱𝗶𝗲 𝗘𝗹𝗲𝗸𝘁𝗿𝗼𝗺𝗼𝗯𝗶𝗹𝗶𝘁ä𝘁 𝘃𝗼𝗻 𝗺𝗼𝗿𝗴𝗲𝗻“. Eingeladen hatten gemeinsam das Forum Digitale Technologien und die Begleitforschung zum Technologieprogramm „IKT für Elektromobilität“.
Christian Liebich vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) nahm das Event zum Anlass bei der Begrüßung auf 15 Jahre des Förderprogramms „IKT für Elektromobilität“ zurückzublicken, das insgesamt ein Fördervolumen von ca. 300 Millionen Euro umfasste: von „Grundlagenarbeit bei der Reichweitenoptimierung“ bis hin zu den sechs Projekten, die an diesem Tag ihre Innovationen demonstrieren – und in die Zukunft weisen.
Diskussion: Geschäftsmodelle in der Lenkwende
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion sprachen Jan Grippenkoven vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Matthias Hartwig vom Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM), Henrik Falk von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und Sandra van Tongern vom Autohersteller HOLON darüber, wie sich Innovationen rund um autonome und elektrische Mobilität möglichst flott in die Praxis umsetzen lassen – und welche Rolle dabei der ÖPNV sowie der Individualverkehr mit PKW spielen werden.
Henrik Falk von der BVG prognostiziert für das Jahr 2030 eine „größere Flotte“ von autonomen Fahrzeugen beim öffentlichen Nahverkehr. Und zwar „weit über den Stadtbus hinaus“, so Falk. Für ihn steht allerdings fest: „Es konzentrieren sich gerade alle auf den ÖPNV. Es wird aber auch um den PKW wegen – um ein „völlig neues Mobilitätssystem“. Dafür gebe es aber bisher noch kein Geschäftsmodell, sagt Henrik Falk.
Jan Grippenkoven vom DLR betont die Bedeutung von gemeinsamen Verbundprojekten, um Geschäftsmodelle auf die Straße zu bringen. „Wir wollen unseren Forschergeist zusammenbringen mit den Praktikern.“ Er sieht dabei das Big Picture: „Es sind eigentlich drei Arten der Verkehrswende: die Mobilitätswende, die Antriebswende und die Lenkwende. Wir müssen sie alle gleichermaßen im Blick behalten.“
Matthias Hartwig vom IKEM blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir haben in Deutschland einen guten Rechtsrahmen. Das könnte unser Fenster für Chancen beim autonomen Fahren sein.“ Es gehe um ein „grundsicheres autonomes Fahrzeug“, so Hartwig.
Auch Sandra van Tongern von HOLON, einem Produzenten von autonomen Fahrzeugen in Paderborn, hat eine klare Vorstellung von der Zukunft: „Ich hoffe, dass meine Kinder keinen Führerschein mehr brauchen werden“, sagt sie auf dem Podium.
Eindrucksvolle Demonstrationen der Projekte
Wie die Zukunft der Mobilität konkret aussehen könnte, zeigten die sechs Projekte aus dem Förderprogramm „IKT für Elektromobilität“, die beim Demo Day ihre Innovationen vorführten – mit eindrucksvollen Demonstratoren vor Ort.
Johannes Brust führte dem Publikum den ChargePal vor – einen mobilen Laderoboter, der E-Autos dort aufladen kann, wo sie stehen. Ganz ohne stationäre Ladesäule. „Autos stehen beispielsweise länger am Flughafen“, sagt Johannes Brust. Diese Zeit lässt sich mit ChargePal nutzen. Der Roboter soll sich eines Tages über eine App buchen lassen.
Stefan Rouwen hatte die HitchhikeBox dabei – eine smarte Lieferbox mit Kühlsystem, die „per Anhalter“ bestehende Personenfahrten für den Transport beispielsweise von Lebensmitteln nutzt. So gelangen Waren vom regionalen Marktplatzt etwa per Taxi und weitere Fahrten beim Empfänger. Für die Qualitätskontrolle entlang der gesamten Lieferkette sorgt Blockchain-Technologie. In der Pfalz könnte die HitchhikeBox schon bald Wirklichkeit werden.
Lars Münster & Yannick Herrling von 𝗟𝗶𝗲𝗳𝗲𝗿𝗕𝗼𝘁𝗡𝗲𝘁 zeigten nicht nur, wie beweglich und geländegängig der mitgebrachte Lieferroboter ist. Sie berichteten, wie er sich in ein größeres Logistiknetz aus etwa Paketdiensten und Crowdworkern einfügen lässt – und welche Hürden nicht nur der Roboter dabei noch nehmen muss.
Mario Nowack und Tobias Scheuer vom Projekt 𝗔𝗕𝗦𝗢𝗟𝗨𝗧 𝗜𝗜 zeigten eindrücklich, wie autonome Busse den ÖPNV in Leipzigs Randgebieten ergänzen können. On demand und auf den Punkt. Dabei sorgt eine technische Aufsicht für die Sicherheit. So könnten echte Alternativen für den Individualverkehr entwickelt werden.
Arwed Schmidt vom Projekt 𝗦𝗔𝗙𝗘𝗦𝗧𝗥𝗘𝗔𝗠 stellte vor, wie gut der autonom fahrende Bus ohne Begleitperson mit angeschlossener Leitstelle bereits in der Praxis funktioniert – und welche finanziellen und gesetzlichen Hürden in den kommenden Jahren genommen werden müssen.
Richard Werner von 𝗠𝗔𝗗 𝗨𝗿𝗯𝗮𝗻 ergänzte eine neuartige Perspektive auf autonomes Fahren: Das System des Fahrzeugs wird ergänzt durch Sensorik am Straßenrand – „infrastrukturbasierte Sensorik“. Auf dem Testfeld funktioniert dies schon gut.
Mit den Präsentationen der Projekte ist die beste Grundlage für den letzten Teil des Demo Days gelegt: für den fachlichen Austausch und Networking.