Meldung
14.07.2025
Interview mit DiCES: „Eine nachhaltige Wirtschaft aktiv mitgestalten und voranbringen“
Der GreenTech-Atlas versammelt in diesem Jahr erneut Best Practices für nachhaltige industrielle Transformation. Ende Juni wurde die Studie in Berlin vorgestellt. Auch ein Projekt des GreenTech Innovationswettbewerbs ist Teil der siebten Auflage.

Antoine Gaillard, Konsortailführer des Projekts DiCES
Die volkswirtschaftlichen Potenziale der deutschen GreenTech-Branche standen im Zentrum der von Bundesumweltministerium (BMUKN), Umweltbundesamt (UBA) und Prognos AG veranstalteten GreenTech-Atlas-Konferenz. Der Lichthof des BMUKN am Potsdamer Platz war Ende Juni nicht nur Ort anregender und angeregter fachlicher Impulse, Panel-Diskussionen und Vorträge, unter anderem von Bundesumweltminister Carsten Schneider und Prof. Dr. Dirk Messner, dem Präsidenten des Umweltbundesamtes.
Im Mittelpunkt des Nachmittags stand die Frage, welche Bedarfe die Branche hat und welches Potenzial in GreenTech Made in Germany steckt. Passend zum Veranstaltungstitel wurden außerdem Keynotes und Ideenpitches präsentiert – und eine neue Publikation erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
„GreenTech Made in Germany“ – DiCES ist dabei
In der regelmäßig erscheinenden Leistungsschau vertreten ist mit dem Projekt DiCES („Digital Transformation of Circular Economy for Industrial Sustainability“) ebenfalls eines der 21 geförderten Forschungsvorhaben aus dem seit 2023 laufenden GreenTech Innovationswettbewerb. Das Vorhaben wird vom FIR e. V. an der RWTH Aachen als Konsortialführer geleitet, eine Vielzahl weiterer Partner aus dem Maschinen- und Anlagenbau und namhafte Industrieunternehmen wie Miele sind dabei.
Kurz vor der Veröffentlichung des GreenTech-Atlas 2025 hat Antoine Gaillard, Leiter Gruppe Produktionsplanung am Forschungsbereich Produktionsmanagement des FIR e. V. an der RWTH Aachen, über die Strahlkraft des Atlas für Beteiligte an Forschungsvorhaben und für die Branche insgesamt gesprochen.
Herr Gaillard, was bedeutet die Präsenz im aktuellen GreenTech-Atlas für das Projekt DiCES, und welche Chancen ergeben sich daraus für Ihr Projekt in der weiteren Entwicklung oder Sichtbarkeit?
Durch die Integration von DiCES in den GreenTech-Atlas-Bericht wird die Positionierung der Kreislaufwirtschaft in Deutschland gestärkt und ihre Präsenz in der Wirtschaft, die auf nachhaltiger Wertschöpfung basiert, ermöglicht. Darüber hinaus bietet sich uns die Möglichkeit, dass wir uns mit anderen innovativen Projekten und Expert:innen aus dem GreenTech-Bereich vernetzen und Wissen sowie wertvolle Erfahrungen austauschen. Dieser Austausch über Herausforderungen und Erkenntnisse mit anderen Projekten hilft uns direkt dabei, Effizienzpotenziale zu erkennen und praxisnahe Lösungen umzusetzen.
Dabei wollen wir auch das Interesse anderer Branchen für die Umsetzung wecken und zeigen, dass die Implementierung multidimensionaler Kreislaufwirtschaft-Strategien funktionieren kann. So wird nicht nur die Weiterentwicklung von DiCES gefördert, sondern auch die gemeinsame Zielsetzung unterstützt, eine nachhaltige Wirtschaft aktiv mitzugestalten und voranzubringen.
Kreislaufwirtschaft ist einer der Leitmärkte, die im GreenTech-Atlas genauer unter die Lupe genommen werden – wie wichtig ist die „Bühne“ einer solchen Publikation für die gesamte GreenTech-Branche?
Die Implementierung von Kreislaufwirtschaftsstrategien benötigt mehr Aufmerksamkeit – nicht nur, um die Bevölkerung für einen nachhaltigeren Konsum und nachhaltige Praktiken zu sensibilisieren, sondern auch, um andere produzierende Unternehmen über Umsetzungsmöglichkeiten zu informieren.
Die politischen Ereignisse der letzten Monate zeigen, dass Nachhaltigkeitsthemen und Ressourcenunabhängigkeit stärker gefördert werden müssten. Die öffentliche Wahrnehmung von GreenTech ist dabei essenziell für die Verbreitung innovativer Nachhaltigkeitspraktiken.
Von einem Rückgang des Interesses an Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitsthemen war in den vergangenen Jahren wiederholt die Rede – kommt der aktuelle GreenTech-Atlas also gerade zur richtigen Zeit?
Die Entwicklung ökologischer Innovationen ist unerlässlich, wenn die Kreislaufwirtschaft in verschiedenen Bereichen und Regionen zunehmend umgesetzt werden soll. Durch den GreenTech-Atlas wächst die Förderung von Nachhaltigkeitsprojekten und ihre Sichtbarkeit nimmt zu, sodass sich mehr Unternehmen der jetzt umsetzbaren Praktiken bewusst werden.
Die Bedeutung lässt sich direkt an Projekten wie DiCES ablesen. Beim Großunternehmen Miele & Cie. KG mit seinem Unternehmensbereich Laundry (Waschmaschinen, Anm. d. Red.) wurde die Transformation der Wertschöpfungssysteme, der Auftragsabwicklung, der IT-Systeme und der Produktionsprozesse hin zur Kreislaufwirtschaft bereits angegangen! Außerdem verbessert GreenTech nicht nur die Reichweite bestehender Projekte, sondern fördert auch deren Weiterentwicklung, selbst angesichts verschiedener Widrigkeiten.
Warum ist das Technologieprogramm GreenTech Innovationswettbewerb für Innovation und Wertschöpfung in Deutschland so wichtig – gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten?
Eine der größten Herausforderungen im Bereich der Kreislaufwirtschaft ist die Umsetzung ökologischer Strategien. Dazu gehören sowohl die notwendigen Investitionen als auch der Mangel an Erfahrung und Infrastrukturen. Der Ausbau des Innovationswettbewerbs ist unerlässlich, da die Kreislaufwirtschaft zunächst einmal machbar gemacht werden muss. Er fördert gezielt nachhaltige Innovationen und neue Ansätze in der Forschung. Dies ist entscheidend für die langfristige Transformation der deutschen Wirtschaft.
Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg bei Ihrem Projekt!
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Steckbrief: Antoine Gaillard hat bereits anlässlich der Hannover Messe 2024 über ein neues Verständnis des Kreislaufwirtschaft-Paradigmas in der industriellen Fertigung gesprochen. Mehr zu den Hintergründen und Forschungsinteressen, die die Verantwortlichen des Projekts DiCES leiten, erfahren Sie hier.
Antoine Gaillard ist Gruppenleiter im Bereich Produktionsmanagement am FIR e.V. an der RWTH Aachen, wo er seit 2022 tätig ist. In seiner Arbeit konzentriert er sich auf die Implementierung betrieblicher Anwendungssysteme in unterschiedlichen Industriezweigen sowie auf die Begleitung von Unternehmen beim Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft. Er promoviert derzeit auch in diesem Bereich.
Als Konsortialleiter des Projekts DiCES koordiniert er die Zusammenarbeit aller Partnerinstitutionen und arbeitet an der Entwicklung zirkularitätsorientierter Geschäftsprozesse. Datenmodellen zur Unterstützung einer Upgrade Circular Economy sind ein sich daran anschließendes Interessengebiet.
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier: https://www.digitale-technologien.de/DT/Redaktion/DE/Kurzmeldungen/Aktuelles/2024/GreenTech/240809_GreenTech_Meldung_DiCES.html
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