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13.12.2021

Mobil-e-Hub: Innovativer Transport per Drohne und E-Bus

Der Güterverkehr steht vor einem Grundsatzproblem: Immer mehr Fahrzeuge von immer mehr Dienstleistern erhöhen das Verkehrsaufkommen und erschweren so zeitsensible Zustellungen. Genau hier setzt mobil-e-Hub an. Autonom fliegende Drohnen sollen zukünftig dringende Lieferungen transportieren – und dafür Pakete auf elektrisch angetriebene Busse setzen. Das Ziel: eine revolutionäre Art des Gütertransports, der auch noch vollkommen ohne schädliche Emissionen auskommt. Im Interview erklärt Lars Christiansen von BridgingIT, wie das in der Praxis gelingen soll.

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Lars Christiansen von Mobil-e-Hub
Artikelbild Interview Lars Christiansen
Herr Christiansen, BridgingIT ist Teil des Konsortiums um mobil-e-Hub. Was wollen Sie mit dem Forschungsprojekt genau erreichen?

Lars Christiansen: Grundsätzlich wollen wir zeigen, dass Drohnen das deutsche Logistiksystem auf der letzten Meile effektiver machen können. Hierfür arbeiten wir an einem Dachträger für Busse, der Paketlieferungen einer Drohne aufnehmen kann. So zeigen wir, dass Bestandsverkehr für dringliche Lieferungen genutzt werden kann und der Prozess autonom und sicher ablaufen kann. Außerdem entwickeln wir ein Softwaresystem, dass es jedem Logistikdienstleister ermöglichen soll, auf Drohnen zuzugreifen und sie in die eigene Logistikkette zu integrieren.

Aktuell erproben Sie das System für den Transport von dringlichen Laborproben. Wie sieht der Transportprozess mit Bus und Drohne dann im Einzelnen aus?

Lars Christiansen: Der Transportprozess beginnt an den geplanten mobil-e-Hubs, in diesem Fall an einem Krankenhaus. Hier wird eine spezielle Box mit den Proben abgestellt. Die zum Hub gehörige Drohne wird jetzt darüber informiert, wann das nächste verfügbare Fahrzeug – ein Mobilty-on-Demand-Bus aus dem Personenverkehr-Netz – das Hub anfahren wird. Dieser Bus fährt nun in den Sicherheitsbereich des Krankenhaus-Hubs. Dort setzt die Drohne die Box auf den von uns entwickelten Dachträger des Busses. Dieser fährt dann das Labor an, für das die Box bestimmt ist und kommt wiederum im Sicherheitsbereich des Labors zum Stehen, an dem die dortige Drohne die Box übernimmt.

Inwiefern ist mobil-e-Hub revolutionär?

Lars Christiansen: Wenn es gelingt, den Ausbau der Hubs an vielen Orten in einer Region anzustoßen, kann mobil-e-hub ein Schritt zum vollständigen Umbau unserer Last-Mile-Logistik sein. Der Zugriff erfolgt barrierefrei, ist KI-gesteuert und sieht ein pay-per-use-Verfahren als Zahlungsmethode vor. So könnten wir die Logistikinfrastruktur in Deutschland komplett modernisieren.

Fällt ein Bus aus, kann ein Fahrradkurier einspringen

Wie stellen Sie sicher, dass die Laborproben sicher und schnell an ihr Ziel gelangen? Was passiert zum Beispiel, wenn sich ein Bus verspätet oder ausfällt?

Lars Christiansen: Zunächst stellen wir natürlich sicher, dass die für den Transport notwendigen Temperaturen eingehalten werden. Fällt ein Fahrzeug aus, sucht das System das nächste verfügbare Fahrzeug oder ermöglicht einen alternativen Transport, zum Beispiel über einen Fahrradkurier. Idee des Systems ist es, unabhängig von einzelnen Fahrzeugen zu sein.

Gibt es weitere Herausforderungen, die den Entwicklungsprozess begleiten?

Lars Christiansen: Wir haben es mit einem komplexen Prozess zu tun, der verschiedenste Systeme zusammenführen muss. Gerade hier ist das Zusammenspiel von Hard- und Software wichtig. Auch die Abstimmung zwischen der Drohne und der Aufnahmebox auf dem Dach des Busses ist enorm wichtig. Daneben gilt es im Auge zu behalten, welche sicherheitsrelevanten Fehler auftreten können, die einen Abbruch des Transportvorgangs erfordern könnten. Die größte Hürde haben wir jedoch bereits genommen: Durch den Showcase mit den Laborproben ist es uns gelungen, eine Live-Umgebung in Heidelberg zu finden, die Ende 2022 anschaulich zeigen wird, was das System bewirken kann.

Für welche Wirtschaftszweige könnte mobil-e-hub noch interessant sein?

Lars Christiansen: Wir sehen den grundsätzlichen Einsatz für Logistikdienstleister mit eiligen, lebenswichtigen oder sehr zeitkritischen Gütern. Dafür müssen die Lieferboxen kompatibel zu Drohne und Plattform sein und selbst im Fall eines Absturzes eine gewisse Sicherheit bieten. Daher haben wir im Konsortium auch Spezialisten für die prototypische Entwicklung solcher Boxen.

„Der Warenverkehr der Zukunft wird nachhaltiger, umweltschonender, effizienter, elektrischer und offener – auch durch das Aufbrechen von Anbieterinseln.“

Mobil-e-Hub wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Technologieprogramms „IKT für Elektromobilität“ finanziell gefördert. Wie setzen Sie die Fördermittel des BMWi ein? Was hat Ihnen die Förderung bisher ermöglicht?

Lars Christiansen: Bei mobil-e-Hub handelt es sich um ein vollständig neues System, das erst technisch erprobt werden muss, ehe eine wirtschaftliche Verwertung möglich ist. Daher setzen wir die Fördermittel nicht nur zur Beschaffung der notwendigen Hardware ein, sondern ermöglichen damit auch die Arbeit von hochspezialisierten Experten, Wissenschaftlern und Ingenieuren, die neben Ihren Kerntätigkeiten an unserem neuen Logistiksystem mitarbeiten.