Normung und Standardisierung

Normung und Standardisierung
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Normung und Standardisierung

Ein wichtiges Ziel der Smart Service Welt ist neben der Schaffung von offenen Service-Plattformen die Förderung der Konnektivität, die eine Vernetzung der Cyber-physischen Systeme untereinander sowie mit ihrer Außenwelt ermöglicht. Eine flexible, effiziente und rechtssichere Integration von Daten und Informationen ist Grundlage dieses Vorhabens.

Für den Bereich der Normung und Standardisierung ergeben sich daraus u. a. folgende thematische Herausforderungen, die auch von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) in ihren Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt „Internetbasierte Dienste für die Wirtschaft“ formuliert wurden:

• Normung und Standardisierung der Anschlussfähigkeit von Smart Products an digitale Plattformen (standardisierte Schnittstellen)

• Normung und Standardisierung von Kenngrößen zur Beschreibung von Daten und Datenstandardisierung

• Entwicklung von Standards zum Handel von Technologiedaten (Schnittstellendefinition, Kommunikationsprotokolle, Teilnehmeranbindung) sowie zur Daten- pflege im Handelssystem (unter Beachtung der notwendigen Informationssicherheit)

Standardisierte Schnittstellen zwischen den einzelnen Komponenten und Funktionsbereichen schaffen Kompatibilität und einen offenen Markt. Insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen kann durch einheitliche Standards eine Teilnahme am Markt ermöglicht werden, da Extra- kosten in der Produktion langfristig durch Normung und Standardisierung reduziert werden können. Standardisierte Schnittstellen können dazu beitragen, Abhängigkeiten zwischen Marktteilnehmern zu minimieren und die Akzeptanz beim Endkunden zu fördern, denn sie gewährleisten eine sichere Grundlage bei technischen Beschaffungen und Entwicklungen.

Auch die Sicherheit von Technologien und Dienstleistungen ist ein wesentlicher Bestandteil von Normung und Standardisierung. Insbesondere der Aspekt der Informationssicherheit erhält durch die starke Vernetzung der Smart Services eine große Bedeutung. Einheitliche Sicherheitsnormen und Standards dienen häufig als Grundlage für Zertifizierung und Konformitätsprüfung und können damit Vertrauen beim Verbraucher schaffen. Dies ist besonders wichtig für Dienste, in denen sensible personenbezogene Daten, z. B. Mobilitäts- oder Gesundheitsdaten, der Anwender gespeichert und verarbeitet werden.

Das System der Standardisierung von Informations- und Kommunikationstechnologien besteht aus vielen verschiedenen, voneinander weitgehend unabhängigen und großteils international aufgestellten Gremien, die zudem häufig nach Technologiesparten gegliedert aufgebaut sind, und stellt somit eine große Herausforderung an eine zukünftig international akzeptierte Normung und Standardisierung im Bereich smarter Services dar.

Aufgrund dieser unübersichtlichen Gremienlandschaft ist es wichtig, zunächst einen Überblick über den Stand der Arbeiten in den relevanten Technologien zu gewinnen. Anschließend sollen die Bedürfnisse hinsichtlich Standardisierung und Normung aus Sicht der Projekte ermittelt werden.

Zur Durchsetzung eigener Interessen müssen sich interessierte Beteiligte (Unternehmen, aber auch z. B. Wissenschaftseinrichtungen und Organisationen mit den Zielen des Verbraucherschutzes oder der Arbeitssicherheit) umfangreich in die verschiedensten Gremien einbringen und möglichst umfassend vernetzt sein. Eine wirkungsvolle und schnelle Koordination nationaler Aktivitäten ist deshalb unabdingbar, um auf internationaler Ebene die nationale Position und Entwicklungen einzubringen und nach Möglichkeit durchzusetzen.

Die Förderprojekte sollen für die sach- und zeitgerechte Einbeziehung der Instrumente der Normung und Standardisierung sowie für die Arbeitsweise dieser Instrumente sensibilisiert und bei der Umsetzung unterstützt werden. So sollen sie rechtzeitig auf normativer und regulierender Ebene existierende bzw. in Erarbeitung befindliche Lösungen für das eigene Tätigkeitsfeld berücksichtigen, um Doppelarbeiten zu vermeiden, Synergieeffekte zu nutzen und letztlich Investitionsrisiken zu minimieren. Weiterhin soll der Normungs- und Standardisierungsbedarf der Projekte erfasst und nach Möglichkeit über bereits an Normungs- bzw. Standardisierungsprozessen teilnehmende Projekte in neue oder in Erarbeitung/Überarbeitung befindliche Normen und Standards eingebracht werden. Dies soll sowohl auf nationaler, aber vor allem auch vorbereitend für die internationale Ebene geschehen. Das Ziel ist hierbei die Stärkung der Rolle Deutschlands beim Setzen von Normen und Standards im Bereich der Smart Services. Um eine möglichst geschlossene Strategie zu verfolgen, werden die Aktivitäten in diesem Bereich in enger Abstimmung mit der „Digitalen Serviceplattform“ der acatech und der Plattform Industrie 4.0 geschehen. Relevante Akteure (in Deutschland z. B. DIN/DKE, Bundesnetzagentur, BITKOM) sollen die Interessen der Smart Service Welt Gruppe kommunizieren.